geschichten mit k

Komfortzonengrenzen sprengen – so geht’s in fünf überschaubaren Schritten      

flickr_robin_hutton_comfortzone_smallDer Sommer ist die richtige Zeit für ein kleines Abenteuer. Lassen Sie uns Komfortzonengrenzen sprengen…

Ich habe es getan. Hab‘s riskiert. Und muss sagen, es war nicht der leichteste Tag in meinem Leben. Doch jetzt ist es soweit und ich bin stolz drauf wie Bolle. Endlich ist meine höchstpersönliche Komfortzonengrenze gesprengt. Ob es sich gelohnt hat? Tja …

Wie gut kennen Sie Ihre Komfortzone?

Ja genau - diese mentale Kuschelecke, in der wir uns wohl und behütet fühlen. In deren gepolsterten Grenzen wir uns behaglich eingerichtet haben, wie in einer gut belüfteten, blumenmustertapezierten Gummizelle mit Roomservice. It’s safe babe.

Nein – kein Wort gegen Komfortzonen. Sie besitzen vorbehaltlose Berechtigung für jede von uns, der ihre Sicherheit lieb und teuer ist. Sie beschützen uns vor der Gefahr, unsanft zu landen, falls wir plötzlich Lust auf‘s Gleitschirmfliegen bekommen. Sie bewahren vor potentiellem Spott der Welt, beim Drang ad hoc eine flammende Rede zum Schutz der Pandas auf dem Rathausmarkt loszulassen. Auch frustrierenden Anfällen von Selbstmitleid, a la „Siehste, hab’s doch gleich gewusst, der Chefposten ist einfach eine Nummer zu groß für dich“, verwehren Komfortzonengrenzen den Zutritt. Sie bilden unser zuverlässiges Bollwerk gegen all die niederträchtigen Reaktionen, die uns drohen, sobald wir uns ungefragt auch nur einen Zentimeter zu weit aus dem Fenster lehnen.

Doch leider haben Komfortzonengrenzen Löcher...

Vielleicht nur so zart wie die hauchfeinen Poren einer Vierzehnjährigen, aber immerhin.

Bei mir war es der verlockende Duft von Car2go, der hier durchsickerte. Vor Monaten habe ich das eigene Auto abgeschafft und bin seither ganz begeistert von der flexiblen Art, mich durch die Stadt zu bewegen. Die flotten Flitzer gibt’s im Zugriff (fast) immer und überall in der City. Nur einen Nachteil hatte das Ganze: ich war gezwungen, immer vom Schreibtisch meines Homeoffice zu ordern. Mein freundliches zuverlässiges Moby konnte keine Apps. Und beim Zugriff übers Internet brach ich mir regelmäßig die Augen. Andere zückten nach coolen Events, Theater oder Workshops einfach ihr Smarty und schon kamen sie unkompliziert, bequem und günstig nach Hause.

Mein Selbstbild steht felsenfest - moderne, technisch ausreichend begabte Frau von heute mit großer Neugier auf coole Tools. Doch den Umstieg vom Mobil- auf das Smartphone schob ich seit Monaten vor mir her. Denn es funktionierte doch noch hervorragend. Ich konnte alles damit tun, was ich brauchte – reden, schreiben, zuhören, fotografieren (na gut, die Qualität war nicht mehr so der Hit)

Wann sind Sie das letzte Mal Ihren Komfortzonengrenzen-Spreng-Meisterlein begegnet?

Sie kennen sie auch, diese fiesen winzigen Sensoren, die seismografisch registrieren, dass wir irgendwie feststecken. Zwar sind wir noch nicht bereit, den nächsten Schritt zu gehen, aber irgendwie auch nicht mehr rundum happy. Es könnte sich um Ihr persönlichen Komfortzonen-Sprengmeisterlein handeln, wenn Sie

  • schnell genervt, rasch gelangweilt oder nie zufrieden sind
  • in Ihren Gedanken ständig um ein „man müsste mal“ kreisen
  • das „was wäre wenn“ immer häufiger als Gast am Frühstücktisch hockt
  • sich häufiger mal bei scheelen Blicken auf all jene erwischen, bei denen Dinge einfach smarter funktionieren

Natürlich ist was dran am Sprichwort „Better the devil you know“, alternativ: das Mobilphone, das Dir vertraut ist. Hat ja keine Eile mit der Veränderung. Nur hat die kuschelige Komfortzone leider zwei klitzekleine Nebenwirkungen:

  1. Die akute Gefahr, geistig zu verfetten – dann wird es irgendwann nur noch langweilig.
  2. Das Risiko, dass das Leben selbst einem in den Hintern tritt und man dann nicht mehr wählen kann.

Mich hat Nummer Zwei erwischt. Mein treues Moby trat in den Display Streik. Zunächst kein Problem – die Jahre im Projektmanagement haben mich an Workarounds gewöhnt. So lange ich das Gerät nicht zuklappte, konnte ich noch die Hälfte der Inhalte erkennen. Benutzte ich es wie gewohnt, war eine Neueinwahl fällig. Und die Car2go App wollte ich immer noch. Und dass der Kollege mit Smarty das verrückte Straßenschild auch gestochen scharf knipsen konnte, wenn er keinen Fotoapparat dabei hatte, wurmte mich langsam immer mehr.

Wenn Sie Lust bekommen haben, Ihre Komfortzonengrenze zu sprengen – so geht’s in fünf überschaubaren Schritten

Schritt 1: Nehmen Sie all Ihren Mut zusammen und wagen Sie ein Experiment. Binden Sie Ihre Zweifel an einen Luftballon und lassen sie fliegen. Besonders Sicherheitsbewusste nutzen zum Anbinden die nächste Straßenlaterne. Da können Sie sie hinterher wieder abholen (falls Sie sie noch brauchen). Tun Sie so, als könnten Sie schon alles, was Sie brauchen. Nur für eine Stunde oder einen Tag. Keiner sagt, dass es perfekt werden muss.

Ich leihe mir für ein paar Stunden das Smarty der Freundin, nur um zu testen. Selbstverständlich halte ich mich strikt an ihre Ansage, was mir tun erlaubt und was verboten ist. Sie ist mutig und erlaubt viel, verbietet wenig. Also probiere ich – ist schon ungewohnt mit all der Wischerei über das Display. Ein Anruf kommt. Ich werde nur ein winziges bisschen panisch, als ich nicht sofort weiß, wie ich den annehmen soll. Aber sonst geht’s mir gut.

Schritt 2: Parken Sie alle Ausreden, die Sie davon abhalten, etwas Neues auszuprobieren. Stellen Sie sich eine hübsche Box auf. Brummt eine Ausrede in Ihrem Kopf herum, hören Sie zu, schreiben sie auf und packen sie in die Box. Für alle Designverliebten gern hübsch verknotet mit Bändchen. Den Pragmatikerinnen reicht eine Büroklammer. Rein in die Box. Deckel zu. Nur für einen Tag. Wenn Sie wollen, dürfen Sie morgen gern alle wieder rausholen.

Ich hätte, sollte, müsste doch – eine Liste, was das Smarty alles können soll, Preisvergleiche, technische Daten, jetzt bloß keinen Fehler machen, den Vertrag wirst Du erst in 24 Monaten wieder los. Bla und bla und bla, ich weiß, wovon ich spreche. Meine Box ist blau und ich bin der Büroklammertyp. Farbige Büroklammern.

Schritt 3: Treffen Sie einen ganz neuen Menschen. Denn die, die Sie schon gut kennen, werden Sie eher auf Ihrer Komfortzonencouch festdübeln als Sie da runterzuholen. Menschen, die ein bisschen anders, wilder, unbequemer sind als Sie selbst, geben einen guten Turbo für Ihren Grenzübertritt ab.

Wild entschlossen stürme ich in den Telefonshop. Handyverkäufer gehören sonst eher nicht zu meinem bevorzugten Umgang. Ich begegne Ihnen verhalten misstrauisch. Denn wenn sie technikverliebt und superschlau auf mich herablächeln, komme ich mir uralt und technisch vollkommen unterbelichtet vor. Da muss ich jetzt durch. Beim dritten Shop funktioniert es. ‚Mein‘ Mr. Smartphone-Man ist jung, freundlich und hört geduldig zu, was ich will. Peinliche Wissenslücken hilft er mir souverän zu überspielen. Er spricht eine klare Empfehlung aus und begründet sie einleuchtend. „Whow“, denk ich. „Den würde ich mir gern als leuchtendes Beispiel für meine Trainings ausleihen. Trotzdem gehe ich nochmal mit Moby und ohne Smarty nach Hause. Ich muss wohl Abschied feiern.

Schritt 4: Gucken Sie sich die Dinge vor denen Sie sich fürchten genau an. Dann kalkulieren Sie Ihr Risiko und entscheiden, wie viel Sie auf‘s Spiel setzen können und wollen. Alles andere steht nicht zur Debatte. Spielgeld ist Spielgeld und der Rest bleibt im Safe.

Der Tag der Entscheidung. Ich bin bereit zur Trennung, ein für alle Mal. Akzeptiert. Doch zwei Tropfen Angstschweiß zieren meine Stirn, denke ich daran, beim Umstieg auf das neue Gerät meine gut sortierten Kontaktdaten zu verlieren. Mr. Smartphone-Man hatte mir angeboten, den Datentransfer im Shop zu probieren. Hab mir trotzdem erklären lassen, wie ich selbst diese kostbaren Schätze sichern kann. Das hat zu Hause wunderbar funktioniert. Doppelt hält besser. Auf all den Spielkram aus Mobys Tiefen – alte Bilder und Podcasts bin ich bereit zu verzichten. Kaum erwähnenswert, dass natürlich alle Daten -  auch die Spieldaten unbeschadet auf Smarty gelandet sind. Uff.

Schritt 5: Streichen Sie Vorbehalte, die Sie gegen neue ungewohnte Wege und Menschen haben, jetzt ganz bewusst. Bleiben Sie neugierig darauf, was Sie noch alles dazulernen können.

Jetzt habe ich ein Smartphone – und ich kann noch immer reden, schreiben, zuhören, fotografieren (die Qualität ist eine Wonne). Statt mich vor Mr. Smartphone-Man zu blamieren haben wir uns nicht nur großartig unterhalten, sondern ich habe auch eine Menge dazugelernt. Natürlich mache ich hier keine Werbung für einen Mobilfunkanbieter, aber wenn Sie mich anrufen verrate ich Ihnen gern, wo sie ihn finden. Und noch ein Wunder ist geschehen. Meine kleine Schwester, die sich selbst den Technik-DAU  der Stadt nennt, hat gestern mit einem flotten Tippen, Halten, Wischen ein paar sinnlose Features meines Smartys eins-zwei-drei beseitigt. Und dann ganz nebenbei demonstriert, wie ich das Foto meiner Baby-Nichte aus einer Konversation in die Galerie verschiebe. Cool. Sie macht das einfach so. Und ich guck mir rasant alles ab.

Ja. Wenn Sie mit Ihrem Komfortzonengrenzensprengen jetzt schon so weit gekommen sind, nehmen Sie sich doch die nächste vor. Oder? Auch mitten im Sommer steh ich zum Sparring gern bereit.

Heute ist mein Smarty bereits mit Websites und Terminkalender gefüttert – so geht Business fixer. Und jetzt lade ich mir meine erste App herunter.

Car2go na klar Winken

 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren